Ungesättigte Fettsäuren

Mit Omega-3 gegen chronische Hauterkrankungen?

Von Mark Krüger · 2019

Kann man mit Fischöl oder Algenöl gegen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis anschwimmen? Dr. Imke Reese, selbstständige Ernährungsexpertin mit dem Schwerpunkt Allergologie, berichtet.

Tisch mit gesunden fetthaltigen Lebensmitteln
Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch enthalten. Foto: iStock/autumnhoverter

Warum brauchen wir langkettige ungesättigte Fettsäuren?

Für unseren Körper sind langkettige ungesättigte Fettsäuren lebenswichtig. Sie müssen hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen werden, da sie in zu geringen Mengen selbst vom Körper gebildet werden können. Diese essenziellen Fettsäuren steuern unter anderem den Fettstoffwechsel, beeinflussen die Sehkraft sowie kognitive Fähigkeiten und sind Unterstützer des Immunsystems. Bei den ungesättigten Fettsäuren unterscheidet man zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren werden vor allem über Speisefette wie Sonnenblumenöl, aber auch über tierische Lebensmittel aufgenommen. Ihre Aufnahme übersteigt meist die notwendige Zufuhr über die Nahrung. Die antientzündlichen langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA kommen in unserer Ernährung hingegen nur in geringen Mengen vor. Wir nehmen diese vor allem in Form von fettreichem Seefisch zu uns. 

Porträt: Dr. Imke Reese, selbstständige Ernährungsexpertin mit dem Schwerpunkt Allergologie
Dr. Imke Reese, selbstständige Ernährungsexpertin mit dem Schwerpunkt Allergologie

Wieso sind besonders langkettige Omega-3-Fettsäuren für gewisse Vor-
gänge im Körper wichtig?

Ein ausgewogenes Omega-6- zu Omega-3-Verhältnis im Gewebe ist wichtig, um optimale Abläufe im Körper zu ermöglichen. Liegt ein Missverhältnis vor, wird vermutet, dass dadurch ein erhöhtes Risiko für das Entstehen von allergischen und entzündlichen Erkrankungen vorliegt. Da Öle mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren, wie Fisch- oder Algenöl, die antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA enthalten, werden sie gezielt für Therapien eingesetzt. Der Einsatz solcher Omega-3-Öle stellt gerade hinsichtlich der Entzündungskrankheiten ein erfolgsversprechendes Forschungsfeld dar.

Gilt also eine unzureichende Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren als Risikofaktor für allergische Erkrankungen?

Studien auf dem Gebiet der Allergie-Prävention deuten darauf hin, dass eine zu niedrige Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren das Risiko für Neurodermitis und allergische Atemwegserkrankungen begünstigt. Hier kann bereits in der Schwangerschaft präventiv entgegengewirkt werden. Wenn sowohl Schwangere als auch ihr Nachwuchs ausreichend langkettige Omega-3-Fettsäuren in ihr Gewebe einbauen, geht dies offenbar mit einer Schutzwirkung einher.

Wirken langkettige Omega-3 Fettsäuren auch bei bestehender Neurodermitis?

Diese Frage ist erstaunlicherweise bei Menschen bisher nur wenig untersucht. Erstaunlich insofern, dass Untersuchungen der Grundlagenforschung darauf hinweisen, dass dies ein vielversprechendes Forschungsfeld ist. Ergebnisse einer Pilotstudie der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Berliner Charité zeigen, dass eine Einnahme von 5.400 Milligramm DHA über acht Wochen bei erwachsenen Neurodermitis-Patienten die Spiegel an langkettigen Omega-3-Fettsäuren ansteigen lässt. Zudem wird das Omega-6- zu Omega-3-Verhältnis verbessert, was wiederum den Hautzustand begünstigt. Die verabreichten Dosen erscheinen allerdings recht hoch. Im Regelfall ist eine tägliche Einnahme von 2.000 Milligramm Omega-3 (EPA und DHA) ausreichend. Idealerweise sollte die gegebene Menge anhand des individuellen Versorgungsgrads festgelegt werden. 

Wie ist es bei Psoriasis? Hilft auch hier der Einsatz von Omega-3-Fettsäuren?

Auch diese Frage ist bisher nur unzureichend untersucht worden. Die entzündungshemmende Wirkung von langkettigen Omega-3-Fettsäuren lässt eine positive therapeutische Wirkung auf Psoriasis stark vermuten. Da die Psoriasis häufig mit einem metabolischen Syndrom und einer Fettleber einhergeht, sollte neben der Gabe von langkettigen Omega-3-Fettsäuren zusätzlich eine Ernährungsumstellung auf eine mediterrane Kost mit reduziertem Stärke- und Zuckeranteil erfolgen.

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