Ästhetische Behandlungen

Die Macht der Schönheit

Von Nadine Effert · 2021

Saugen, straffen, spritzen – Schönheitsoperationen und ästhetische Eingriffe liegen im Trend, weltweit und bei den Deutschen. Woher kommt das Bedürfnis nach Schönheit? Welche Köperareale werden besonders kritisch beäugt? Was spricht für, was gegen einen Eingriff? Ein Überblick.

Eine junge, schöne Frau
Symmetrische Gesichter mit zierlichen Nasen und vollen, geschwungenen Lippen gelten bei Frauen als gemeinhin schön. Bild: iStock / CoffeeAndMilk

Schön sein, sich wohl in seiner Haut fühlen, dies ist für die meisten Menschen wichtig. Und die Suche nach der Antwort auf das „Warum“ sogar Gegenstand der Wissenschaft. In der Sozialpsychologie ist der sogenannte Schön-ist-gut-Effekt meistzitiert, wonach wir schöne Menschen für bessere Menschen halten. Besser im Sinne von schlauer, begabter, vertrauenswürdiger. Ob in der Schule, im Beruf oder in der Liebe – laut zahlreichen Studien haben es attraktive Menschen in der Regel leichter, sind beliebter und erfolgreicher. Das beginnt laut der renommierten US-amerikanischen „Attraktivitätsforscherin“ Rita Freedmann direkt nach der Geburt. Denn Mütter reagieren stärker und öfter auf ihren Nachwuchs, wenn dieser hübsch ist. Und Babys wiederum schauen attraktive Gesichter länger an. Was schön ist, darüber gibt es eine Art gesellschaftlichen Konsens. Hierzulande – mit Blick auf die Frau – sind es zum Beispiel lange Beine, eine schmale Taille und mindestens ein mittelgroßer Busen; im Gesicht sind es volle Lippen, eine kleine Nase und große Augen. Obwohl es heißt, wahre Schönheit käme von innen, so möchten die meisten Menschen sich doch auch von außen schön finden. 

Weniger Make-up, mehr Pflege

Der Markt rund um das Thema Schönheit boomt. Allein der Umsatz mit Kosmetik- und Körperpflegeartikeln in Deutschland lag im Jahr 2020 bei rund 14,9 Milliarden Euro. Eine vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. in Auftrag gegebene Umfrage ergibt, dass für 93 Prozent der Menschen in Deutschland Körperpflege und Kosmetik wichtig sind. Durch die Coronakrise bedingt verlagerte sich allerdings die Nachfrage: Die Befragten, für die das tägliche Schminken und Stylen am Morgen aufgrund von Homeoffice oder der Kontaktbeschränkungen teilweise weggefallen ist, verbrachten die Zeit im Bad für eine ausgiebigere morgendliche Dusche (32 Prozent), Hände eincremen (31 Prozent), Körper eincremen (23 Prozent), Gesichtsmasken (20 Prozent) oder Zähneputzen (20 Prozent). 

Faltenbekämpfung boomt

Selbst als viele Branchen im Rahmen der Coronapandemie mit starken Einbußen zu kämpfen hatten, freuten sich die Schönheitschirurginnen und -chirurgen des Landes über rege Nachfrage. Homeoffice und eingesparte Kosten aufgrund beschränkter Reise- und Urlaubsmöglichkeiten machten eine Ästhetisch-Plastische Behandlung für viele erst möglich. Wie viele Beauty-Eingriffe es in Deutschland im letzten Jahr gab? Diese Frage bleibt offen, denn es gibt hierzulande kein zentrales Register für durchgeführte Schönheitsoperationen. Hochgerechnet sind es aber sicherlich mehrere Hunderttausende pro Jahr. Die „The International Society of Aesthetic Plastic Sugery“ (ISAPS) beziffert für Deutschland eine durchschnittliche jährliche Anzahl von 240,69 Beauty-OPs pro Schönheitschirurg. 

Laut einer nicht-repräsentativen Umfrage unter den Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) waren im vergangenen Jahr folgende Eingriffe die Top fünf der ästhetischen Behandlungen: Faltenunterspritzungen und Behandlungen mit Botulinumtoxin gefolgt von Brustvergrößerungen. Auch wenn es immer mehr Männer gibt, die Schönheitseingriffe durchführen lassen, dominieren Frauen und ihre Nachfrage nach wie vor den Markt. Sieben von acht Patienten sind weiblich. 

Alter(n) spielt eine wesentliche Rolle

Welche Wunschvorstellungen bei Schönheitsoperationen in Deutschland vorherrschen, wurde bei einer Befragung im Jahr 2020 unter 1.437 Deutschen durch die DGÄPC unter die Lupe genommen. Die gute Nachricht: Weniger oft als gemeinhin angenommen eifern Patientinnen und Patienten bestimmten Medienpersönlichkeiten oder Influencern nach (2,3 Prozent) oder wünschen sich so auszusehen, wie eine digital bearbeitete Vorlage von sich selbst (2,3 Prozent). Die meisten, nämlich über ein Drittel der Befragten gaben an, ihr Wunschbild bei der Schönheitsoperation sei ihr früheres Aussehen. Rund zehn Prozent möchten so aussehen wie Personen gleichen Alters. Welche Motivation auch immer dahintersteckt, weltweit nehmen sowohl chirurgische als auch nicht-chirurgische Eingriffe zu: Laut dem jüngsten Bericht der ISAPS waren es im Jahr 2019 insgesamt rund 25 Millionen Eingriffe. Deutschland befindet sich unter den Top Ten Ländern mit den meisten Schönheits-OPs. Unangefochten seit Jahren an der Spitze stehen die USA und Brasilien. Bei Frauen nach wie vor am beliebtesten sind Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen und Augenlidoperationen. Bei den Männern befinden sich die Gynäkomastie (Brustkorrektur), Lidchirurgie und Fettabsaugung auf dem Siegertreppchen. 

Ästhetische Behandlungen: Risiken ernst nehmen

Das eine Schönheitsoperation, für die es in den seltensten Fällen eine medizinische Indikation gibt, Gefahren birgt, ist nichts Neues. Dazu Dr. Steffen Handstein, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Präsident der VDÄPC – Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen: „Jeder ästhetische Eingriff ist auch ein medizinischer Eingriff und sollte als solcher mit größter Sorgfalt bedacht und geplant werden. Vor einem ästhetischen Eingriff sollten die fachliche Beratung und Aufklärung bei einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie erfolgen.“ Begriffe wie „kosmetischer Chirurg“ oder „Schönheitschirurg“ sind übrigens keine geschützten Bezeichnungen. Jeder approbierte Arzt kann sich so nennen – auch ohne über fundierte anatomische und operative Kenntnisse zu verfügen, welche Fachärzte für Plastische Ästhetische Chirurgie sich im Rahmen einer sechsjährigen Weiterbildung aneignen.

Fazit: Keine Frage, mit seinem Körper darf jeder Mensch tun und lassen, was er möchte. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass Schönheitsideale nichts Naturgemachtes sind, sondern gesellschaftliche Trends. Jeder Eingriff sollte daher gut überlegt sein.

Rangliste

Top fünf der am häufigsten durchgeführten Ästhetisch-Plastischen Behandlungen (2020)

1. Faltenunterspritzung (30,7 Prozent)

2. Botulinumtoxin-Behandlung (24,4 Prozent)

3. Brustvergrößerung (12,7 Prozent)

4. Oberlidstraffung  (8,6 Prozent)

5. Fettabsaugung (8,3 Prozent)

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC), 2020

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