Provokationsfaktoren bei Neurodermitis

Eine Krankheit, viele Ursachen

Von Sarah Schroth / Nadine Effert · 2018

Jemand zieht sich Latexhandschuhe an. Thema: Provokationsfaktoren bei Neurodermitis
Handschuhe können sowohl vor Allergien schützen als auch welche auslösen!

Allergien und chronische Hautkrankheiten sind auf dem Vormarsch. Gibt es hier einen Zusammenhang? Tatsache ist: Bei Neurodermitis wirken eine ganze Reihe an sogenannten Provokationsfaktoren komplex zusammen – und das bei jedem Patienten ganz unterschiedlich. Neue Forschung zeigt: Auch Stress kann ein Auslöser sein.

Wenn der Arzt fragt: „In welcher Situation bekommen Sie immer einen Schub?“, wissen viele Neurodermitiker keine konkrete Antwort zu geben. Der Grund: Viele Betroffene kennen die konkreten Auslöser nicht. Das mag auch daran liegen, dass die Liste an möglichen Einflussfaktoren nicht gerade kurz ist. Bei einigen führt die Walnuss im Salat zu einem Schub. Bei anderen ist die bevorstehende Prüfung der Trigger. Bei anderen taucht die Neurodermitis nach Kontakt der Haut mit bestimmter Kleidung auf. 

Nicht nur genetisch bedingt

Die Gründe für die Entstehung chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen, wie der Neurodermitis, sind bisher nicht vollständig geklärt. Lange wurde vermutet, dass Gene die alleinige Ursache für die Störung sind. Fakt ist: Ist ein Elternteil Neurodermitiker, liegt das Risiko für Kinder bei etwa 30 Prozent. Sind beide Eltern betroffen, beträgt es bis zu 80 Prozent. Allerdings weiß man heute, dass den Genen nicht komplett der Schwarze Peter zugeschoben werden kann. Mit am Spieltisch: Umwelteinflüsse respektive externe Faktoren. Dazu gehören Ernährung, Klimafaktoren, Umweltgifte, falsche Hygiene sowie Allergene. So ist zum Beispiel erwiesen, dass bestimmte Nährstoffe im Essen einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel und somit die Beschwerden haben können. Umgekehrt stehen einige Nahrungsmittel im Verdacht, die Symptome von Neurodermitis zu verstärken, wie etwa die typischen Allergene Nüsse und Milch oder auch die Genussmittel Kaffee und Alkohol. Auch extreme Kälte oder trockene Luft können Auslöser sein, genauso wie zu häufiges Händewaschen, das der Schutzfunktion der Haut schadet. Auch bestimmte Kontaktallergien, etwa gegen Nickel, Latex oder Tierhaare, können dafür sorgen, dass die Haut rebelliert. 

Provokationsfaktoren bei Neurodermitis: Stress wird unterschätzt

Neue Forschungsergebnisse bestätigen zudem einen Zusammenhang zwischen Neurodermitis und psychischen Triggern, wie Stress oder allgemeine körperliche Abgeschlagenheit. Dies ist eine wichtige Botschaft für Patienten und Dermatologen, die den Therapieprozess massgeblich beeinflusst und für viele Gesundheitsexperten den Aufruf zu einer ganzheitlichen Behandlung darstellt. Neben der Behandlung mit medizinischen Cremes und Medikamenten sollte auch die verschiedenen Einflussfaktoren und psychosozialen Aspekte unter die Lupe genommen werden. Falls sich ein Zusammenhang zum Beispiel zwischen Stress und Schüben beobachten lässt, kann der Einbezug eines Arztes für Psychosomatik oder eines Psychologen sinnvoll sein. Denn ein gelassenerer Umgang mit Stressoren beruhigt nicht nur die Psyche, sondern auch die Haut.

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