Leben mit Neurodermitis

„Die Krankheit zu akzeptieren, macht vieles leichter“

Von Nadine Effert · 2021

Porträt: Laura Grube
Laura Grube

Laura Grube ist Jahre 25 alt und leidet unter Neurodermitis. Sie verrät, wie sie ihren Alltag meistert und gibt Tipps für Betroffene für einen besseren Umgang mit der chronisch-entzündlichen Hautkrankheit, die in Schüben verläuft.

Wann wurde bei dir eine Neurodermitis festgestellt und wie macht die Krankheit sich bei dir bemerkbar?

Bereits ein halbes Jahr nach meiner Geburt traten die ersten Ekzeme auf. Die entzündeten Hautstellen kommen bei mir vor allem im Hals-, Ellenbeugen- und Gesichtsbereich vor. An Beinen und Oberkörper kommen Ekzeme und trockene Haut seltener vor. Und natürlich in Form des gefürchteten Juckreizes, der sich bei Schüben sehr stark bemerkbar macht. 

Was machst du dagegen?

Kühlen und Eincremen hilft am meisten. Außerdem muss ich mich überwinden und den Juckreiz ignorieren, was aber nur schwer zu schaffen ist. Kratzen verschlimmert das Ganze nur.

Gibt es bestimmte Trigger, welche die Symptome bei dir verschlechtern?

Die schlimmsten Trigger sind Stress, wenig Schlaf, Pollen, zu viel Zucker und zu viel Alkohol.

Wie wird deine Neurodermitis behandelt?

Im Moment nehme ich an einer klinischen Studie teil. Das Medikament ist noch nicht auf dem Markt verfügbar, aber es hilft mir sehr gut. Durch das Medikament wird der Juckreiz unterdrückt, was sehr befreiend ist. Außerdem sind die Ekzeme deutlich geringfügiger. Ansonsten nehme ich mir viel Zeit für mich und gönne mir Erholung und Pflege für die Haut. Leider ist dies nur schwer neben der Arbeit möglich.

Wie gehst du im Alltag mit deiner Krankheit um? Was ist deine persönliche Strategie im Umgang mit der Erkrankung?

Um die Schübe klein zu halten, habe ich meine Arbeitsstunden gekürzt. Der freie Tag gibt mir Entspannung und nimmt mir den Druck. Ebenso ist mir eine offene Kommunikation über meine Erkrankung sehr wichtig. Mein Partner, meine Freunde und auch meine Familie wissen, wie es mir geht. Deshalb können sie nachvollziehen, wenn ich auch mal spontan ein Treffen absagen muss.

Welche Tipps hast du für Betroffene?

Erstens: Lerne die Erkrankung kennen und hör auf deinen Körper. Jeder hat andere Trigger und somit auch andere Lösungen seine Schübe klein zu halten. Zweitens: Suche einen Dermatologen, der sich auf Neurodermitis spezialisiert hat. Das dauert seine Zeit. Aber es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten seine Neurodermitis in den Griff zu bekommen. Auch Heilpraktiker haben einigen Betroffenen schon mit alternativen Methoden helfen können. Und drittens: Mir hat es geholfen zu akzeptieren, dass die Krankheit nicht heilbar ist. Dadurch konnte ich mir selber den Druck nehmen, da ich nicht mehr versuche, sie mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Mehr Aufklärung über die Erkrankung. Denn es ist nicht nur eine rote Haut und ein „bisschen“ Jucken. Es ist so viel mehr. Da wäre es schön, wenn auch nicht betroffene Menschen dies etwas nachvollziehen könnten. Schließlich wünsche ich mir eine lange schubfreie Zeit und hoffe natürlich auch, dass ich irgendwann ohne Medikamente ein entspanntes Leben führen kann.

Wussten Sie schon, dass ...

... in Deutschland etwa vier Millionen Menschen an Neurodermitis leiden? Etwa jede zehnte betroffene Person ist von einer schweren Form betroffen. 

... das Leitsymptom Juckreiz umso stärker ist, desto ausgeprägter das Erscheinungsbild? Viele Betroffene können deshalb nicht schlafen und kratzen sich blutig.

... die chronisch-entzündliche Hautkrankheit auch die Seele leiden lässt? Schätzungsweise 25 bis 40 Prozent der Betroffenen leiden unter psychosozialen Problemen wie Depressionen, bedingt etwa durch Stigmatisierung.

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