Psoriasis

Risikofaktor Luftverschmutzung

Von Tobias Lemser · 2022

Juckreiz, Brennen, Schmerzen: Wer an Schuppenflechte leidet, muss teils erhebliche Einschränkungen in der Lebensqualität ertragen. Das Gute: Es gibt inzwischen sehr gut wirkende Medikamente. Um die Ursache für Schübe zu finden, könnten ganz neue Erkenntnisse aus Italien hilfreich sein.

Eine Frau sieht sich ihre Psoriasis an ihrem Rücken in einem Spiegel an.
Foto: iStock / Siarhei SHUNTSIKAU

Reality-Star Kim Kardashian, der deutsche Rapper Sido oder das britische Topmodel Cara Delevingne – drei Prominente, die eines eint: Sie leiden an der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Schuppenflechte. Auch unter dem medizinischen Fachbegriff Psoriasis vulgaris bekannt, gilt diese genetisch bedingte Autoimmunerkrankung laut Definition der WHO als eine der schwersten nicht infektiösen Krankheiten überhaupt. Deutschlandweit sind 2,4 Prozent der Bevölkerung an Psoriasis erkrankt – Frauen und Männer in etwa gleichermaßen. Zumeist tritt Schuppenflechte mit Einsetzen der Pubertät oder ab dem 40. Lebensjahr auf. Nicht selten überspringt Psoriasis eine Generation.

Schwer behandelbare Körperregionen

Typisch sind flächige rote Flecken – oft an Ellenbogen oder Knien – die von weiß-silbrigen Hautschuppen bedeckt sind. „Besonders unangenehm ist für Betroffene die Ausbreitung auf den Fingernägeln, der Kopfhaut und in Hautfalten. Diese Körperstellen sind generell schwerer zu behandeln“, weiß Prof. Dr. Michael Sticherling, stellvertretender Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Auslöser, die zum Ausbruch dieser schubweise auftretenden und stark juckenden Hauterkrankung führen, können Stress, hormonelle Faktoren, aber auch Stoffwechselstörungen und Medikamente sein. 

Luftverschmutzung als Auslöser von Psoriasis?

Ob auch Luftverschmutzung in Form von Feinstaub, Nitratoxiden, Benzenen oder Kohlenmonoxid ein wichtiger Triggerfaktor sein könnte, dieser Frage gingen Forschende der Universitätshautklinik Verona nach. In der diesjährig veröffentlichten Untersuchung analysierten sie die Verläufe von knapp 1.000 ambulant behandelten Betroffenen in Relation zur Luftqualität kurz vor Ausbruch eines neuen Schubs und glichen diese mit den Daten aus 15.000 Messungen zur Luftqualität ab. Ergebnis: Es wurde ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Belastung der Luft mit Grob- und Feinpartikeln in den 60 Tagen vor einem Krankheitsschub und der Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung des Befundes deutlich. Die Forschenden gehen demzufolge davon aus, dass Luftverschmutzung bei Psoriasis einen Krankheitsschub auslösen kann.

Deutschland ist Spitzenreiter

Auch wenn Psoriasis bislang unheilbar ist, stehen zahlreiche, sehr gut ansprechende Therapien zur Verfügung. Zum Beispiel die Behandlung mit Biologika, eine zielgerichtete, über mehrere Monate oder auch Jahre andauernde Therapie, bei der mittels Spritzen einzelne Botenstoffe im Blut zielgenau gebremst werden. Das Positive: Für Schuppenflechte sind inzwischen mehr Medikamente zugelassen als für jede andere Hauterkrankung, welche die Lebensqualität der Betroffenen teils erheblich verbessern. Dies verdeutlichen im vergangenen Herbst veröffentlichte Daten aus dem Psoriasis-Register PsoBest, das derzeit 17.000 Patientinnen und Patienten umfasst. „In keinem anderen Land weltweit ist seit 2004 ein solcher Rückgang des durchschnittlichen objektiven Schweregrades der Schuppenflechte zu verzeichnen wie in Deutschland“, sagt Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Facharzt für Dermatologie und Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Demnach ist der durchschnittliche PASI (Psoriasis Area and Severity Index) bei Menschen mit Schuppenflechte zwischen 2004 und 2018 von 11,4 auf 7,2 gesunken – was berechtigte Hoffnung macht, die Erkrankung künftig immer besser in den Griff zu bekommen.

Schon gewusst?

Menschen mit Psoriasis leiden häufig unter Begleiterkrankungen. Zu den häufigsten Komorbiditäten gehören Übergewicht, Hypertonie, Depressionen und Diabetes mellitus. Das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, liegt etwa doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Schuppenflechte. Etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten leiden zudem an einer Psoriasis-Arthritis, welche die Gelenke betrifft.

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