Neurodermitis bei Jugendlichen

Junge Patienten profitieren von neuer Therapieoption

Von Nadine Effert · 2019

Entzündete, trockene, stark juckende Haut – Jugendliche leiden besonders unter den Symptomen einer Neurodermitis. Warum es nun speziell für schwere Fälle Grund zur Hoffnung gibt, erklärt Dr. Andreas Pinter, Direktor der Abteilung für Klinische Forschung, Leiter der Sprechstunde für Neurodermitis in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Frankfurt.

Ein Mädchen sitzt traurig auf einer Treppe. Thema: Neurodermitis bei Jugendlichen
Neurodermitis geht – vor allem im Jugendalter – oftmals mit sozialer Ausgrenzung einher. Foto: iStock / Tero Vesalainen

Dr. Pinter, was unterscheidet eine Neurodermitis bei Jugendlichen von der bei Erwachsenen?

Die Neurodermitis, im Fachjargon atopische Dermatitis genannt, trifft man im jugendlichen Alter mit etwa vier bis fünf Prozent häufiger an als im Erwachsenenalter mit etwa zwei Prozent Betroffenen. Die klassischen Symptome, die man bevorzugt am Hals, Armbeugen, Handfesseln oder Kniekehlen findet, sind jedoch ähnlich. Ebenfalls sind Jugendliche zusätzlich gefährdet, sogenannte Begleiterkrankungen zu entwickeln. Dazu gehören nicht nur ein allergisches Asthma oder Heuschnupfen, sondern auch Depression und Angststörung. 

Porträt: Dr. Andreas Pinter, Direktor der Abteilung für Klinische Forschung des Universitätsklinikums Frankfurt
Dr. Andreas Pinter, Direktor der Abteilung für Klinische Forschung des Universitätsklinikums Frankfurt

Welche Folgen hat die Erkrankung für die jungen Menschen?

Jugendliche sind in ihrer Persönlichkeit meist noch nicht so gefestigt wie Erwachsene. Daher kommt es häufig dazu, dass eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in der Regel auch sichtbar ist und somit einen stark stigmatisierenden Charakter hat, das Selbstbewusstsein nicht gerade stärkt. Ausgrenzung von Jugendlichen mit Neurodermitis kommt daher häufig vor. Die Betroffenen ziehen sich meist zurück, meiden soziale Kontakte und in extremen Fällen sogar die Schule oder Ausbildung. Das erzeugt Frustration und Stress, was sich im Endeffekt auch wieder negativ auf das Hautbild auswirken kann. 

Jugendliche befinden sich zudem in einer Lebensphase, in der erste Beziehungen und Partnerschaften entstehen. Besteht eine stigmatisierende Hauterkrankung, kann es sie zum Beispiel daran hindern, auf das andere Geschlecht zuzugehen. Intimitäten und Berührungen können auch als unangenehm empfunden werden, da die entzündete Haut auch schmerzhaft sein kann.

Warum ist es so schwer, die sichtbaren Symptome in den Griff zu bekommen – insbesondere bei Vorliegen einer schweren Neurodermitis?

Das liegt primär daran, dass die bisherigen Therapiemöglichkeiten sehr reduziert waren. Eine tägliche Basispflege bringt den meisten Patienten eine, wenn auch geringe, Verbesserung des Hautbildes. Ob als Creme oder in Tablettenform Kortison stellte bisher die einzig zugelassene Therapie dar. Es ist zwar ein potentes Mittel gegen die Schübe, jedoch nie eine wirklich gute Option als Dauerbehandlung. Kurz- und auch langfristige Nebenwirkungen müssen insbesondere bei jungen Menschen vermieden werden. Lichtbehandlungen (UV-Therapie) sind bei vielen Patienten sehr beliebt, können aber ebenfalls bei zu häufiger Nutzung das Hautkrebsrisiko in der Zukunft deutlich erhöhen. Zusammengefasst bedeutet das, dass es bislang keine Therapieoptionen gab, die einerseits effektiv, und andererseits auch sicher und langfristig zur Anwendung kommen konnten. 

Gibt es denn Aussicht auf neue Therapien?

Ja, definitiv. In den letzten Jahren konnte durch die Forschung das Verständnis der Krankheitsentstehung der Neurodermitis noch mal deutlich verbessert werden. Mit diesem Wissen können Medikamente entwickelt werden, die zielgenau in Entzündungswege der Neurodermitis eingreifen und somit die Entzündung sowie den Juckreiz herunterregulieren – das Ganze effektiver und zugleich mit weniger Nebenwirkungen. 

Können Sie das näher erläutern?

Gerne. Genauer gesagt handelt es sich um im Labor hergestellte Antikörper, die sehr spezifisch die Entzündung blockieren. Diese sogenannten Biologika gibt es für erwachsene Patienten mit mittelschwerer und schwerer Neurodermitis bereits seit zwei Jahren auf dem Markt. Seit Kurzem steht diese Therapieoption, die sich auch für den langfristigen Einsatz eignet, auch Kindern und Jugendlichen ab dem zwölften Lebensjahr zur Verfügung. Einige meiner jugendlichen Patienten, die dieses Medikament im Rahmen einer Studie bereits seit längerer Zeit nehmen, sind seit dem Einsatz der Therapie nahezu erscheinungsfrei. Es treten kaum noch Schübe auf und insbesondere der sonst sehr quälende Juckreiz hat sich fast vollständig reduziert. Für die jungen Patienten ein enormer Gewinn an Lebensqualität, in einer so bedeutenden und prägenden Phase ihres Lebens.

Verhaltenstipps

Wenn Ihr Kind an einer Neurodermitis (atopischen Dermatitis) leidet, können Sie zur Linderung beitragen, wenn Sie einige grundsätzliche Verhaltensweisen beachten:

• Besonders wichtig ist die tägliche Hautpflege. Die Haut sollte täglich, vor allem nach dem Duschen oder Baden, mit einer rückfettenden Pflegesalbe eingecremt werden. Kurze, nicht zu heiße Ölbäder oder rückfettende Badezusätze können ein Austrocknen der Haut verringern.

• Zu enge Kleidung wie auch Kleidungsstücke aus Wolle, Seide oder Kunstfasern können die Haut reizen. Ziehen Sie Ihrem Kind deshalb möglichst weite Kleidung aus Baumwolle oder Leinen an.

• Waschen Sie neue Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen mehrmals und spülen Sie sie gründlich aus.

• Achten Sie darauf, dass die Fingernägel Ihres Kindes immer kurz geschnitten sind, um zusätzliche Hautinfektionen durch Kratzen zu verhindern.

• Vermeiden Sie Überwärmung, denn Schwitzen verstärkt den Juckreiz.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2019

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