Elektrochemotherapie

Unter Strom

Von Sebastian Juha Richter · 2014

Durch punktuelle elektrische Impulse können die Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Krebs reduziert und die Wirksamkeit der Behandlung gesteigert werden. Besonders geeignet ist diese Therapiemethode bei Tumoren der Haut.

Die Chemotherapie ist nach wie vor eine tragende Säule der Krebstherapie und wahrscheinlich die bekannteste Behandlungsmethode. Doch denkt man an diese Therapieform, kommen einem langwierige Sitzungen mit ungewissem Behandlungsausgang in den Sinn. Starke Nebenwirkungen wie Haarausfall und Übelkeit ängstigen die Patienten und prägen das Bild von Krebsleiden. Die Chemotherapie ist auch deshalb so belastend für den Organismus, weil sie nicht gezielt die Krebszellen angreifen kann, sondern alle schnell wachsenden Gewebe des Körpers betrifft. Das Verfahren der Elektrochemotherapie kann bei bestimmten Krebsarten eine Verbesserung bewirken.

Eine gute Verbindung

In Kombination mit der Gabe des chemotherapeutischen Medikaments werden mithilfe winziger Nadeln kurze und intensive elektrische Stöße an den vom Krebs befallenen Bereichen erzeugt. Dabei kann auch eine lokale Betäubung oder eine Vollnarkose zum Einsatz kommen. Weil das Krebsgewebe dafür gut zugänglich sein muss, ist die Methode vor allem geeignet für Krebsarten, die im Bereich der Haut vorkommen oder bei denen sich Metastasen (Absiedlungen) auf oder unter der Haut bilden. Neben Hautkrebs kann dies bei Brustkrebs, bestimmten Hals- oder Kopftumoren und oberflächlichen Tumoren des Stütz- und Bindegewebes (Sarkome) zutreffen.

Quelle: Barmer GEK, 2014

Gezielter Angriff

Die elektrischen Impulse bewirken, dass größere Öffnungen in der Außenschicht der Krebszellen entstehen. Dadurch können Moleküle ins Innere der Zelle eindringen, die dafür normalerweise zu groß wären. Der Effekt der medikamentösen Behandlung wird so an diesen Stellen um ein Vielfaches gesteigert. Dies ermöglicht wiederum den Einsatz einer deutlich geringeren Dosierung des Therapeutikums, ohne dass sich der positive Effekt dadurch verlieren würde. Der Krebs kann im Gegensatz zur herkömmlichen Chemotherapie gezielt und dennoch an mehreren Stellen zugleich angegriffen werden. Eine Behandlung dauert etwa 30 Minuten und kann bei Bedarf nach sechs bis acht Wochen wiederholt werden. Circa 80 bis 90 Prozent der Tumoren sprechen je nach Typ und Größe auf die Behandlung an. Das heißt, dass sie ihr Wachstum einstellen oder sich sogar zurückbilden.
Eine Heilung des Krebses, also auch die Vermeidung der Bildung neuer Metastasen, ist so allerdings leider nicht möglich. Deshalb ist die Kombination mit klassischer Chemotherapie und Bestrahlung weiterhin erforderlich. In fortgeschrittenen Krebsstadien können solche oberflächlichen Krebsgeschwüre aber zu dauerhaften Wunden und Blutungen führen, die mithilfe der Elektrochemotherapie behandelt und reduziert werden können, auch wenn die herkömmlichen Verfahren keine Besserung herbeiführen konnten. Das Bluten und der häufig auftretende unangenehme Geruch solcher Wunden lassen dann nach. In bestimmten Fällen kann diese Methode sogar eine Alternative zur operativen Entfernung eines Tumors darstellen. 

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