Narben

Nicht einfach nichts tun

Von Mike Paßmann · 2015

Manchen gelte sie als Symbol für den „harten Kerl“, den meisten sind sie nur lästig – Narben. Wer sie frühzeitig behandelt, kann Einfluss auf Form und Größe nehmen. Ein Engagement mit Weitblick: Denn alte, harte Narben können mitunter schmerzhaft sein und die Bewegung einschränken.

Beinahe 59 Millionen Deutsche haben mindestens eine Narbe. Viele von ihnen stören sich an ihnen, empfinden sie als unschön. Das ist gerade dann der Fall, wenn sie nicht von Textilien bedeckt sind, zum Beispiel im Gesicht, Händen oder Armen, also für Außenstehende sichtbar sind.

Unterschiedliche Narbentypen

Frische Narben sind meist rötlich, ältere weiß, idealerweise sind sie möglichst glatt und nicht erhaben. Je nachdem, wie Narben entstehen und wie sie aussehen, wird therapiert. Bei Narben, die durch überschießende Bindegewebsbildung über dem Hautniveau liegen, spricht man von hypertrophischen Narben. Sie entstehen gut vier bis sechs Wochen nach Wundheilung, sehen nach gut zwei Jahren wulstig und kordelähnlich aus. Liegt die Narbe unter dem Hautniveau, spricht man von atrophischen Narben, das ist zum Beispiel bei Akne der Fall.
Bei Keloiden wuchert das Bindegewebe in das umliegende gesunde Gewebe, mitunter über mehrere Jahre. Sie sind meist stark gerötet, knotig und geschwollen und tun weh, jucken und brennen.
Als sklerotische Narben, umgangssprachlich Schrumpfnarben, werden Narben bezeichnet, bei denen das Bindegewebe unter der Hautoberfläche wuchert und die Oberfläche „hineingezogen“ wird. Diese Fläche wird hart und kann die Beweglichkeit stark einschränken.

Mehrere gängige Therapieformen

Je nach Lage, Ausdehnung und Alter der Narbe wird über die Therapieform entschieden. Je früher die Wunde versorgt wird, um so eher können Narbenart und -form positiv beeinflusst werden. Bei frischen hypertrophen und keloiden Narben wird vor allem die Verwendung von Silikon-Gelen empfohlen, da der aktive Wundheilungsprozess geschützt und die Hautfeuchtigkeit positiv unterstützt werden. Alternativ kommen auch Steroid-Injektionen und Kompressionen zum Einsatz.
Silikon-Gele und weitere Salben können auch bereits bestehende Narben „verschönern“. Manchmal helfen jedoch nur Vereisung oder ein Abschleifen der Narben, um einen glatten Übergang zur restlichen Haut zu schaffen. Große Narben können auch operativ verkleinert werden beziehungsweise können Hautlappen verlegt werden.

Schutz vor UV-Strahlung wichtig

Da Narbengewebe um ein vielfaches empfindlicher als intakte Haut ist, sollte eine uv-Strahlung der Narben durch Sonne, Solarium oder Infrarotlicht möglichst ausbleiben. Ansonsten können sie sich röten beziehungsweise dauerhaft bräunlich verfärben (Überpigmentierung). Insbesondere Narben, die nicht durch Textilien verdeckt sind, sollten mit entsprechendem Sonnenschutz eingecremt werden. Mittlerweile gibt es bereits Narbencremes, die einen Lichtschutzfaktor von 30 enthalten. 

Das Narbenkarzinom

Narbenkarzinome (Marjolin-Ulcus) sind seltene bösartige (maligne) Tumoren, die meist im Bereich schlecht verheilender, chronisch irritierter Körperstellen entstehen. Das ist zum Beispiel bei instabilen Narben der Haut, Fisteln oder Geschwüren der Fall, am häufigsten kommt jedoch das Brandnarbenkarzinom vor. Zusätzlich existiert noch das Lungennarbenkarzinom.
Narbenkarzinome gehören zu den Plattenepithelkarzinomen, malignen Tumoren, die von den Epithelien der Haut oder Schleimhäuten ausgehen. Seltener kommen in diesem Zusammenhang Basalzellkarzinome vor, die sich aus den basalen Schichten der Epidermis und den Haarfollikeln entwickeln.
Da es sich um bösartige, sehr aggressive Tumoren handelt, die leicht streuen können, müssen sie sehr sorgfältig und weitflächig chirurgisch entfernt werden – sowohl in Tiefe als auch Breite. In schweren Fällen, in denen eine teilweise Entfernung der Tumoren nicht mehr ausreicht, kann auch eine Amputation des Körperteils angebracht sein um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Der Begriff Marjolin-Ulcus geht auf den französischen Chirurgen Jean-Nicolas Marjolin zurück, der 1828 erstmals über ein warzenartiges Geschwür berichtete, allerdings nicht die bösartige Wucherung beschrieb. Das geschah erstmals durch den britischen Chirurgen Caesar Hawkings (1798-1884).

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