Aktinische Kreatose

Gebräunt sein ist nicht immer gut

Von Mike Paßmann · 2015

Wenn die Sonne auf der Haut kitzelt, steigt zunächst die gute Laune. Damit sie auf Sicht erhalten bleibt, sollte die Haut durch UV-Strahlung und Sonnenbrände nicht allzu sehr belastet werden – um Vorstufen von hellem Hautkrebs zu vermeiden. Hat sich erst einmal eine sogenannte aktinische Keratose gebildet, sollte sie unbedingt behandelt werden.

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Sonnencreme-Gesicht – die fleißigen Mitarbeiterinnen in der Kita meines Sohnes versorgen die Kleinen im Sommer spielerisch mit einer Portion Sonnenschutz. Gesicht, Ohren, Hals, Nacken, Arme und Beine werden eingerieben, der Sonnenhut aufgesetzt – auf geht’s in die nächste Fangspielrunde in der Mittagshitze. Sich selbst jedoch cremen die Damen nicht ein. Begründung: „Wir sind doch schon braun, uns passiert nichts.“

Vorstufe zum Tumor

Doch das ist leider ein weit verbreiteter Irrtum, denn: Unsere Haut merkt sich alles, jeden Sonnenbrand, jede Minute uv-Strahlung. Daraus kann – nicht muss – eine Vorstufe von hellem/weißem Hautkrebs resultieren, die aktinische Keratose. Bleibt sie unbehandelt, entwickelt sich daraus bei bis zu 16 Prozent der Betroffenen ein Plattenepithelkarzi­nom. Dieser bösartige Hauttumor entsteht durch eine Mutation des sogenannten Tumorsuppressorgens tp53, wodurch sich die krankhaften Zellen ungehindert vermehren. Er kann Metastasen bilden und an weit entfernten Körperstellen auftreten. Eine frühzeitige Behandlung der aktinischen Keratose ist also wichtig.

Unbedingt behandeln lassen

Bemerkbar macht sich aktinische Keratose durch trockene, rötliche, „Schmirgelpapier-ähnliche“ Hautstellen, die mit der Zeit verkrusten. Sie verursacht keine Schmerzen und ist für den Laien nicht gut zu erkennen – was sie so gefährlich macht. Da sich eben ein Plattenepi­thelkarzinom aus aktinischer Keratose entwickeln kann, sollte sie behandelt werden. Das alleinige Auftragen von Kortisoncremes hat sich als wenig zielführend herausgestellt. Herausschaben, Herausschneiden, Kältetherapie, Laser und photodynamische Therapie sowie die Verwendung speziell entwickelter Wirkstoffe in Cremes und Tabletten verhindern, dass die mutierten Hautzellen von der Oberhaut in die Lederhaut einwachsen. Da die Krebszellen auch streuen können und nicht immer oberflächlich sichtbar sein müssen, ist eine großflächige Behandlung angebracht. Damit die Therapien auch dauerhaft erfolgreich sind, ist auf eine weitere Lichtschädigung der Haut zu verzichten und die Haut regelmäßig von einem Hautarzt zu untersuchen.

Quelle: BAuA, 2014

Risiken minimieren

Generell sollte ein ausgiebiges Sonnenbad ebenso vermieden werden, wie regelmäßige intensive Solariumbesuche. Das Schönheitsideal „braun sein“ läuft dem naturgemäß zuwider. Hier muss sich jeder selbst über die Folgen der Bräune im Klaren sein. Wer den Tag in der Sonne verbringt – unabhängig davon, ob privat oder beruflich –, schützt die unbedeckten Hautstellen am besten mit reichlich Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Wichtig: Die Creme muss sich wie ein Schutzfilm auf die oberste Hautschicht legen, bevor sie wirkt. Das dauert 20 bis 30 Minuten. Phasen, in denen die Sonne am höchsten steht, in Europa zwischen 11 und 15 Uhr, sollten im Schatten verbracht werden. Allerdings ist die uv-Strahlung auch dort noch stark – sie liegt bei 50 Prozent gegenüber der prallen Sonne. Textiler Schutz wie lange Hose, Hemd und Sonnenschutz machen Sinn. Eine Jeans verfügt über einen Lichtschutzfaktor von 1.000, eine dünne Jacke nur über Lichtschutzfaktor zwei bis drei. Mittlerweile gibt es auch Kleidung mit speziellen Fasern, die über Lichtschutz verfügen.

Arbeitgeber in die Pflicht genommen

Menschen, die während ihres Berufsalltags ständig draußen und der Sonne ausgesetzt sind, haben seit März 2012 besondere Rechte: Das Sozialgericht Aachen urteilte, dass Hautkrebs als Berufskrankheit bei einem Dachdecker, der teilweise während seines 40-jährigen Arbeitslebens ungeschützt der Sonne ausgesetzt war, anerkannt wird. Die Berufsgenossenschaft hatte eine Anerkennung abgelehnt. Für die Richter bestand jedoch kein Zweifel daran, dass ein „Ausnahme-Tatbestand“ erfüllt sei. Schließlich arbeite der Dachdecker unter freiem Himmel, ein Zusammenhang von Sonneneinstrahlung und Hautkrebserkrankung sei in jedem Fall gegeben. Seit dem Urteil wird Hautkrebs auch in anderen Berufsgruppen als Berufskrankheit anerkannt oder wird derzeit an entsprechenden Leitlinien gearbeitet.
Gefährdet sind insbesondere Erzieher, Maurer, Landwirte und Bademeister – und generell alle Menschen, die in Außenberufen arbeiten. Arbeitgeber sind nun verpflichtet, über die Risiken der Arbeit „unter der Sonne“ aufzuklären und entsprechenden Sonnenschutz zur Verfügung zu stellen.

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